Rundbrief Juli 2001

Kirchenwahl 2001 - Anmerkungen des Vorsitzenden
Auf die Auferstehung kommt es an - Interview mit H.J. Eckstein
Judenverfolgung und Judenmission
Kirchenwahl 2001 - Kandidaten der Evangelischen Sammlung
Thesen zur Homosexualität
Buchbesprechungen
 
 



Kirchenwahl 2001 - Anmerkungen unseres Vorsitzenden

Sehr geehrte, liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde und Freundinnen der Evangelischen Sammlung!

Dieser Rundbrief hat einen wichtigen Schwerpunkt: am Sonntag, 11. November 2001 ist Kirchenwahl in Württemberg.
Alle Personen für den Kirchengemeinderat und alle für die 13. Evangelische Landessynode in Württemberg werden neu gewählt. Dabei fallen folgenschwere Entscheidungen für den Weg der Gemeinden und für den Weg unserer Kirche.

Kirchliche Wahl ist ein geistlicher Vorgang
Er braucht viel Vorbereitung und viel Gebet. Die Wahlordnung (§ 1) beschreibt dies in drei Sätzen:

(1) Die kirchliche Wahl ist ein Dienst der Gemeinde Jesu Christi zur Ausübung ihres Auftrags und zur Ordnung ihrer äußeren Gestalt.
(2) Sie hat das Ziel, Männer und Frauen zu berufen, die willens und fähig sind, zur Sammlung und Sendung, zum Aufbau und zur Ordnung der Gemeinde Dienste der Leitung zu übernehmen.
(3) Die Ausübung kirchlicher Wahl geschieht im Glauben an den Herrn und im Gehorsam gegen das verkündigte Wort der Schrift.

Daraus folgen die Aufgaben
(1) Kirchliche Fragen sind zuerst geistliche Fragen. Nur wo die Heilige Schrift allein das Sagen in der Kirche hat, können geistliche Fragen geistlich entschieden werden.
(2) Kirchliche Einigkeit muss Einigkeit im Geist sein. Sie ist immer eine Gebetserhörung (Eph. 4, 3). Sie kommt nicht auf dem Verordnungsweg, sie lässt sich nicht kommandieren.
(3) Wahlen sind Ausdruck geistlicher Grundentscheidungen.
(4) Politische Entscheidungen der Kirche müssen geistliche und also biblische Stellungnahmen sein. Dazu gehört auch politische Sachkenntnis.

Nicht wählen ist die schlechteste Variante
Es ist schwerer geworden, Personen für eine Kandidatur zu gewinnen. In den letzten achtzehn Jahren ging die Wahlbeteiligung konstant zurück. Dem müssen wir entgegenwirken. Alle sind gerufen aus der Zuschauerhaltung und Gleichgültigkeit herauszutreten. Verantwortung für den Weg von Kirche und Gemeinde ist dringender denn je.
Ich selber bin jetzt vierundzwanzig Jahre in der Landessynode ehrenamtlich tätig.
Ich wünsche mir einen Ruck zu mehr Beteiligung, auch bei unserer Jugend. Denn: wählen dürfen alle ab sechzehn Jahre, zur Wahl stellen können sich alle, die achtzehn Jahre alt geworden sind. Wo machen wir mit?

Kirchengemeinderat
Der Kirchengemeinderat leitet gemeinsam mit dem Pfarrer die Gemeinde. Das sind in Württemberg 12.000 Kirchengemeinderäte in 1.500 Gemeinden. 41% der Kirchengemeinderäte sind Frauen. Zu den Aufgaben des Kirchengemeinderats zählt die Auswahl bei der Besetzung der Pfarrstellen, die Festlegung der Gottesdienstordnung, die Haushaltsführung und Verwaltung des Ortskirchenvermögens. Von diesen gemeinsamen Leitungsaufgaben zu unterscheiden sind jene Aufgaben, die an das Pfarramt gebunden sind: Predigt, Verwaltung der Sakramente, Seelsorge und Unterricht.

Landessynode
Sie vertritt die Interessen der 2,4 Millionen Mitglieder der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Dieses Kirchenparlament besteht nominell aus 60 Laien und 30 Theologen, die aus den 26 Wahlkreisen Württembergs kommen. Die Landessynodalen werden direkt von den Gemeindegliedern gewählt.
Hauptaufgaben der Landessynode: Kirchliche Gesetzgebung, Beschluss über den landeskirchlichen Haushalt und die Kirchensteuer. Das Recht, Anträge, Wünsche und Beschwerden an den Landesbischof und den Oberkirchenrat zu  richten.  Verantwortung für die Lehr- und Gottesdienstordnung. Ohne Zustimmung der Landessynode kann kein kirchliches Buch im Gottesdienst oder im Unterricht eingeführt werden. Wahl des Landesbischofs oder der Landesbischöfin.

Freundliche Empfehlung
Im Rückblick auf meinen Weg in der Landessynode kann ich nur Mut zur Kandidatur machen, sei’s für den Kirchengemeinderat, sei’s für die Landessynode. Wählen ist für uns alle nötig. Denn:
– Veränderung ist möglich. Es bringt etwas.
– Ich habe viel gelernt.
– Das hat mich selbst bereichert und weitergebracht.
– Wir konnten gemeinsam etwas bewegen.

Liebe Schwestern und Brüder,
Ehrenamtliche sind immer auch Jüngerinnen und Jünger Jesu, Zeuginnen und Zeugen. Sie erleben in der Jesusbegegnung eine Umwertung ihrer Werte. Ehrenamtliche stehen im Licht. Sie stehen in Seinem Licht.

Ich sage Ihnen allen Dank für alles Engagement in unseren Gemeinden und in der Evangelischen Sammlung in Württemberg, vielen Dank für Ihre Spenden und für die Gebete.

Für die, die Urlaub machen und für alle, die zuhause bleiben, wünsche ich eine gesegnete Zeit unter der bewahrenden Hand unseres Gottes.

In herzlicher Verbundenheit grüße ich Sie alle

Ihr

Gerhard Greiner
 
 

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Auf die Auferstehung kommt es an
 
 
 

Er ist evangelischer Theologieprofessor, Erfolgsautor und Hauptredner beim Jahrestreffen der Evangelischen Sammlung am 9. September in Denkendorf: Hans-Joachim Eckstein (siehe beiliegender Handzettel). Eine breite Öffentlichkeit kennt ihn durch seine Bücher »Lass uns Liebe lernen« und »Du liebst mich, also bin ich«. Eckstein verbindet wissenschaftliche Gründlichkeit mit gelebter Frömmigkeit. Im Herbst erscheint sein Meditationsband »Du hast mir den Himmel geöffnet. Perspektiven der Hoffnung«. Das Thema Hoffnung steht auch im Mittelpunkt seines Denkendorfer Referats. Im Interview mit Marcus Mockler spricht Eckstein über seinen Werdegang, seinen Glauben – und seine Hoffnung.

Herr Prof. Eckstein, bei der Evangelischen Sammlung werden Sie über die »Wiederentdeckung der Hoffnung« sprechen. Ist uns Christen denn die Hoffnung verlorengegangen, dass wir sie wiederentdecken müssten?

Auch wenn es überraschen mag: Ja, das ist weithin mein Eindruck. Obwohl die Hoffnung – neben Glaube und Liebe – als das dritte Wesensmerkmal des christlichen Lebens gilt, ist sie für sehr viele Glaubende keine lebensprägende und alltagsbestimmende Kraft mehr. Für die einen erscheint die Hoffnung der ersten Christen heute als unzeitgemäß und etwas weltfremd, für andere ist eine »Lehre von den letzten Dingen« theoretisch zwar durchaus noch gültig; aber endzeitliche Diskussionen und Spekulationen bedeuten an sich noch keine erfüllend gelebte und an Christus selbst orientierte Hoffnung. Gelegentlich scheinen wir auch unsere pessimistische Lebenseinstellung und negative Weltsicht mit der christlichen Erwartung auf Gottes Zukunft zu verwechseln, nach dem Motto: »Es ist alles ganz schlimm!«; »Früher war noch alles anders!«; als kämen wir durch eine verbitterte Grundstimmung der Hoffnung auf den Himmel schon etwas näher.

Ein wesentliches Element christlicher Hoffnung – die Auferstehung von den Toten – ist ausgerechnet in der evangelischen Theologie umstritten. Kann man Christ sein ohne den Glauben an die Auferstehung?

Auf jeden Fall könnten wir nicht Christ sein und glauben, wenn Jesus Christus nicht auferstanden, sondern im Tode geblieben wäre! Ich sage das deshalb, weil Christus nicht nur so lebendig ist, wie wir es glauben – er ist nicht nur
in die Verkündigung oder in unseren Glauben auferstanden. Vielmehr glauben wir deshalb, weil er als der für uns Gekreuzigte und Auferstandene uns
in seinem Wort anspricht und zum Glauben ruft. Ich könnte mir ein Christsein ohne die Gewissheit der Auferstehung – der Auferstehung Christi wie der der an ihn Glaubenden – nicht vorstellen. Allerdings rettet uns der Auferstandene und nicht unser Glaube an ihn! Wie wir anfangs sagten, treffen wir heute immer wieder auf Christen, für die auch die wesentlichsten Grundlagen des Evangeliums nicht selbstverständlich und in vielem neu sind. Und wie wir aus 1. Korinther 15 erfahren, musste sich bereits Paulus mit Auferstehungszweifeln in seiner eigenen Gemeinde auseinandersetzen.

Wenn man sich die heftigen Debatten früherer Jahre über die historisch-kritische Methode oder die Gottessohnschaft von Jesus Christus anschaut, dann wirkt unsere Gegenwart eher etwas theologiemüde. Schlechte Zeiten für die theologische Wissenschaft?

Nein, überhaupt nicht! Sie hat mir noch nie so viel Freude gemacht wie heute. Die Studierenden sind eher motivierter als früher, die Kirchenleitungen – aus den verschiedensten Gründen – offener und lernbereiter als in ‚unangefochtenen‘ Zeiten. Ich bin mir nicht sicher, ob die mit Medienrummel verbundenen Auseinandersetzungen um die Bedeutung Jesu von Nazareth oder um die Unmöglichkeit oder Unwahrscheinlichkeit seiner leiblichen Auferstehung für das Anliegen des Evangeliums so viel Positives gebracht haben. Ich persönlich werte die Offenheit unserer Situation in der Theologischen Wissenschaft nicht nur als eine Verlegenheit, sondern zugleich als eine Chance – die freilich genutzt werden will.

Den theologischen Fakultäten laufen gleichwohl die Studenten davon. Die Zahl evangelischer Theologiestudenten in Deutschland lag Mitte der achtziger Jahre noch bei knapp 17.000 und ist inzwischen auf unter 10.000 gefallen. Ist es nicht mehr attraktiv, Pfarrer zu werden?

Die vordergründige Attraktivität mag für manche geringer geworden sein. Jedoch haben sich in den achtziger Jahren auch nicht alle Studierende der Theologie nur um des Evangeliums willen und in Hinblick auf ihren späteren Pfarrdienst eingeschrieben. Natürlich spielte damals auch die äußerst günstige Stellenerwartung eine ausschlaggebende Rolle. Und umgekehrt werden die Studierendenzahlen wieder steigen, wenn und insofern die Landeskirchen mehr Stellen anbieten. Mir persönlich macht es viel mehr Sorgen, dass parallel auch die Zahlen der Mitarbeiter und aktiven Gemeindeglieder, der Teilnehmer an Fortbildungen, Bibelschulen und Freizeiten rapide zurückgegangen sind. Ob im Pfarramt, in der ehrenamtlichen Mitarbeit oder an der Universität, wir finden in unserer heutigen Situation jedenfalls genug »attraktive« Herausforderungen.

Neben Ihrer wissenschaftlichen Arbeit haben Sie sich immer auch lyrisch betätigt. Aus Ihrer Feder stammen Gedichte, Gebete, Gemeindelieder. Woher kommt Ihre Dichter-Neigung?

Neben dem, was einem in die Wiege gelegt wird, sind sicherlich die Anregungen und Lebensumstände in unseren prägenden Jahren ausschlaggebend. Da ich mich als junger Christ in einer sehr engagierten und lebendigen Jugendarbeit als Mitarbeiter entfalten konnte, ergaben sich die Begeisterung für die Musik, das eigene Komponieren von Liedern und die Freude an der lebendigen und einladenden Formulierung des Glaubens fast von selbst. Die Liebe zu prägnanten Formulierungen und Aphorismen rührt daher, dass ich mir schon damals Gedanken und Einsichten, die mir wichtig waren, in kleine Vokabelhefte aufgeschrieben habe. Als ich dann während meines Studiums mit einem Team von Freunden fast jedes Wochenende und während der Semesterferien ‚offene Abende‘, Gottesdienste, Schulungen und Freizeiten gehalten habe, konnten wir zugleich für unsere spätere beruflichen Aufgaben enorm viel lernen und profitieren.

Bereits als Vierundzwanzigjähriger haben Sie ein »Bibel-Anstreichsystem« veröffentlicht, das inzwischen in zehnter Auflage erschienen ist. Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Als ich als Siebzehnjähriger zu verstehen begann, wie überwältigend das Evangelium für uns sein kann, habe ich mir persönlich in meiner Bibel besonders wichtige Aussagen gekennzeichnet und mit verschiedenen Symbolen versehen, damit ich sie leichter wiederfand – zum Thema Gebet, zu Gottes Liebe, zur Auferstehung Jesu, zum Glauben usw. Als sich andere für diese Art einer systematischen Kennzeichnung von Bibelstellen interessierten, habe ich das »Bibel-Anstreichsystem« auch für einen weiteren Kreis ausgearbeitet und später auch regulär veröffentlicht. Wenn wir wirklich das befreiende Evangelium von Christus verkündigen, dann interessieren sich unsere Gemeindeglieder auch wieder für die biblischen Schriften selbst. Das echte Interesse für das Lesen und Studieren der Bibel ergibt sich dann, wenn wir unseren Glauben als lebensfördernd und erfüllend erfahren. Warum sollte man sonst auch nachlesen, was einen weder bewegt noch anspricht?

Malen Sie als Theologieprofessor immer noch in Ihrer Bibel herum?

Das klingt ja fast vorwurfsvoll!? Ja, natürlich! Wir sprachen vorher über christliche Hoffnungen. Ich erinnere mich daran, dass ich als Oberschüler – für den Gemeindeleben und Bibelstudium nicht selten in Konflikt mit seinen Schulaufgaben gerieten – davon träumte, mich einmal von Berufs wegen den ganzen Tag mit dem Neuen Testament beschäftigen zu können. Auch diese Hoffnung hat sich für mich erfüllt – ohne Erfüllungsmelancholie!

Seit den siebziger Jahren haben Sie die meiste Zeit in Württemberg verbracht. Sechs Jahre waren Sie nun als Theologieprofessor in Baden. Fühlen Sie sich – als gebürtiger Kölner – nun eher als Württemberger, Badenser oder Rheinländer (oder nichts davon)?

Verstehen Sie das bitte jetzt nicht als aufgesetzt oder dahergesagt: Ich verstehe mich als Christ! Als ich das erste Mal in England in einem Konferenzzentrum mit Christen aus mehr als zwanzig Ländern gemeinsam Abendmahl feierte, ahnte ich das erste Mal in meinem Leben, wie überwältigend unsere himmlische Gemeinschaft aus allen Völkern und Nationen einmal sein wird. Und da wir dort ausschließlich auf Englisch sangen, beteten und sprachen, bekam die englische Sprache für mich eine – im Schulunterricht wohl noch nicht vermittelte! – positive und warme Farbe. Ähnlich ging es mir als ich die ersten Kontakte mit Schwaben hatte, die in ihrem breitesten Schwäbisch von Herzen beteten. Allerdings ging es mir – erschrecken Sie nicht! – bei den Badenern nicht anders! Ich selbst als »Reingeschmeckter« fühle mich bei beiden »Geschwistern« wohl, auch wenn sie damit wechselseitig manchmal noch etwas Schwierigkeiten haben mögen. Meinen Sprachkurs in »passivem« Schwäbisch habe ich dann vollenden können, als ich  Vikar in Meßstetten auf der Schwäbischen Alb war und beim Altenkaffee jedes Wort verstehen konnte! Da ich verschiedene berufliche Möglichkeiten, in den Norden zurückzukehren, nicht wahrgenommen habe, fühle ich mich bei Ihnen in Baden-Württemberg wohl offensichtlich ausgesprochen wohl!

Sie treffen bei der Evangelischen Sammlung auf eine Vereinigung, die sich in besonderer Weise der reformatorischen Theologie verpflichtet weiß. Was wäre die dringlichste Botschaft der Reformatoren an die Kirche des 21. Jahrhunderts?

Sie würden heute andere Begriffe und Bilder gebrauchen und neue Argumente in einer veränderten weltanschaulichen Situation anführen, an ihrer grundlegenden Botschaft würde sich aber wohl relativ wenig ändern: Sie würden uns ermahnen, das sola scriptura –»allein die Schrift!« – ernst zu nehmen und den Schriftbezug nicht nur zur Legitimierung eigener Positionen und zur Abwehr abweichender Meinungen zu missbrauchen. Sie würden in unserer leistungs- und darstellungsversessenen Gesellschaft und in unseren handlungsfixierten Kirchen und Gemeinschaften eher noch nachdrücklicher auf das sola fide – »allein aus Glauben!« – bestehen. Vor allem aber würden sie – und das in deutlicher Abgrenzung von vielen gegenwärtigen Konsensbemühungen – das solus Christus – das Bekenntnis: »Christus allein!« – hochhalten, denn ohne die Konzentration auf das Bekenntnis zu Christus geraten alle ökumenischen Versuche in weitere Diffusionen, und ohne das solus Christus werden die Forderungen nach dem sola fide und dem sola scriptura nur für andere als die Interessen der einen Kirche Jesu Christi instrumentalisiert.

Wir danken für das Gespräch.
 
 
 

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Judenverfolgung und Judenmission

Aus der Geschichte:
Die Judenverfolgung in Dänemark und die Dänische Israelsmission (nach einem Bericht von Henry Flemming Markussen, Vorstandsmitglied der Dänischen Israelsmission):
Am 29. September 1943 wurde in Kopenhagen eine Hochzeit gefeiert. Nach dem Gottesdienst versammelte sich die Hochzeitsgesellschaft zu einem Empfang im Hotel Hafnia, an der auch der die Trauung durchführende Pfarrer teilnahm. Das war Henry Rasmussen, der für die Dänische Israelsmission zuständige Leiter der Arbeit in Kopenhagen. Während des Empfangs kam ein Kellner auf Henry Rasmussen zu und teilte ihm mit, dass ihn jemand dringend am Hoteleingang zu sprechen wünscht. Das war die Frau von Professor Frederik Torm, des Vorsitzenden der Dänischen Israelsmission. Sie überbrachte ihm die aus sicherer Quelle stammende Nachricht von der  unmittelbar bevorstehenden Deportation der dänischen Juden. Rasmussen wusste aus eigener Erfahrung, was Judenverfolgung bedeutet. Er war bis 1939 Missionar unter Juden in Lemberg/Polen.
So verließ er sofort die Hochzeitsgesellschaft und begann, alle Juden, die er kannte, zu warnen. An dieser Aktion beteiligten sich dann alle Mitarbeiter der Mission und auch andere Freunde jüdischer Menschen. Schnell wurden Helfer gefunden, die bereit waren, Juden bei sich aufzunehmen und zu verstecken.
Es wurde Schabbat, der 2. Oktober 1943 und jüdisches Neujahrsfest, als unter dem Befehl des »Reichsbevollmächtigten« W. Best deutsche Kommandos durch Kopenhagens Straßen fuhren und die Wohnungen der Juden durchsuchten, um sie einzusammeln und dann nach Theresienstadt transportieren zu lassen. Sie erlebten die Enttäuschung, dass sie nur wenige finden konnten.
Den Freunden jüdischer Menschen war bewusst, dass für die Rettung der Juden nur ein Land in Frage kam: Schweden, das damals eine von den Deutschen noch anerkannte neutrale Region in Skandinavien war.
Das Haus von Henry Rasmussen wurde nun ein geheimes zentrales Auswanderungsbüro für Juden. Hier wurden sie mit genauen Anweisungen, Papieren und Geld versorgt und des Nachts zu bekannten und befreundeten Fischern geleitet.
Diese Fischer, die sich und ihre Boote für die Rettungsaktion zur Verfügung stellten, riskierten ihre Freiheit und auch ihr Leben. Die Israelsmission sammelte unter ihren Mitgliedern und Freunden viel Geld, um die Fischer und Seeleute zu entschädigen.
Schwierig war es aber, Juden, die in den Provinzen lebten, nach Kopenhagen zu bringen. In geheimer Mission wurden sie verständigt und mit falschen Papieren ausgestattet. So konnten sie durch die Kontrollen nach Kopenhagen kommen und von dort weitergeleitet werden. Für diese Aktion war der junge Sekretär der Israelsmission, Egon Johannesen, verantwortlich. Das konnte im Nachhinein nicht verborgen bleiben. Ein Jahr später wurde Egon Johannesen bei einem Überfall durch ein deutsches Kommando in seinem Haus erschossen.
Das Ergebnis: Es wurden über 7000 dänische Juden nach Schweden gerettet. Nur 464 erlitten die Deportation nach Theresienstadt, die meisten von ihnen konnten aber durch ständige Interventionen des dänischen Königs überleben.
Nach dem Krieg wurde ein Rabbiner in Kopenhagen aufgefordert, sich gegen die Tätigkeit des dänischen Missionswerkes zu stellen und sich dementsprechend auszusprechen. Seine Antwort: »Ich kann mich nicht gegen ein Werk wenden, das mich gerettet hat« (überliefert von Dr. theol. Jørgensen).

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat im März 2000 zum dritten Mal eine Studie herausgegeben, die zu einer Erneuerung im Verhältnis der Kirche zum Judentum beitragen soll. In dieser Studie ist viel Wertvolles und Beachtenswertes ausgesagt. Doch fixiert von der Schuld und dem Versagen der Christenheit und ihrer Kirchen in Deutschland wird hier ausdrücklich Abschied genommen von einer auf Juden bezogenen Evangeliumsverkündigung und damit die jüdische Forderung akzeptiert: Das Verschwinden der Judenmission ist die Voraussetzung für den christlich-jüdischen Dialog (Professor Ehrlich, Basel).
Zwar ist man immer noch der Meinung, dass eigentlich jeder Christ in Wort
und Tat Zeugnisträger des Evangeliums Jesu ist, doch »eine organisierte Judenmission lehnen wir ab«. So mit ähnlichen Worten schon im Vorwort der Studie vom Präses der EKD Manfred Kock.
Es ist nicht zu überhören, dass auch in dieser Verlautbarung eine Forderung deutlich wird, die nicht nur die Christenheit in Deutschland meint. So distanziert sich z.B. die Landessynode der Evang. Kirche in Westfalen »von jeglicher Judenmission«.
Dass die Schoa in Deutschland und durch Deutsche möglich war, müsste für die gesamte Christenheit – so die Tendenz – Folgen für eine Evangeliumsverkündigung unter Juden haben, also auch für die Dänische Israelsmission, die von der Dänischen Evang. Kirche mitgetragen wird.
Mit Überheblichkeit werden dabei Werke negiert und abgelehnt, die sich unter erheblichen Opfern der Juden, ihrer Isolation in »christlichen« Ländern und ihrer Not, z.B. in Osteuropa, angenommen hatten, wie die skandinavischen Missionen, aber auch Werke wie Christian Witness to Israel in England oder die Jews for Jesus Bewegung in den USA. Während der Zeit der Schoa hatte – ein weiteres Beispiel – die Schwedische Mission etwa 3000 Juden über Wien retten können. Die Mitarbeiter dieser Werke, soweit sie im europäischen Raum tätig waren, setzten ebenfalls ihre Freiheit oder auch ihr Leben für die Rettung jüdischer Menschen ein.
In Deutschland wurde die Judenmission mit ideologischer Begründung verboten. Gerechterweise wird aber in der Studie die Frage angesprochen, wo in der Zeit der Schoa die »organisierte« Kirche stand? Sie hatte damals ihre eigenen Glaubensgenossen jüdischer Herkunft im Stich gelassen und ist ihrer Deportation in die Vernichtungslager nicht entgegengetreten. Selbst ihre Pfarrer, die aus dem Judentum stammten, hatte man fallengelassen und als peinliche Belastung zur Emigration geraten. Dem Schreiber dieser Zeilen ist ein solcher Fall bekannt, den er persönlich miterleben und miterleiden musste.
Eine organisierte Kirche, die so versagt hatte, sollte sich gegenüber Werken, die damals anders dachten und handelten, anders verhalten als mit einer generellen Ablehnung.
Es ist beklagenswert, dass bei allen Landessynoden evangelischer Kirchen in Deutschland, die zur Judenmission eine ablehnende Erklärung ausgearbeitet haben, jüdische Christen weder eingeladen noch gehört wurden, und schon gar nicht Vertreter von Werken, die sich einer Evangeliumsverkündigung unter Juden aufgrund ihres neutestamentlichen Verständnisses verpflichtet wissen.
Die Zurückhaltung kirchlicher Institutionen und die teilweise deutliche Ablehnung von Christen jüdischer Herkunft hat dazu geführt, dass sich diese nicht mehr in kirchliche Gemeinden eingliedern wollen. Sie finden ihren Platz in Freikirchen oder bilden eigene Gemeinden, die im Status und Gemeindeleben an ihrer jüdischen Identität festhalten wollen und das auch in ihren Gottesdiensten zum Ausdruck bringen.
Wenn heute evangelische Kirchen in Deutschland sich ihres Versagens in der Zeit der Schoa bewusst geworden sind, dann sollten sie mit Recht Buße tun, doch nicht so, dass sie Werke verurteilen und ablehnen, die auch von jüdischen Christen gegründet und getragen wurden.
Der jüdische Glaube in allen Ehren, Respekt vor der konsequenten Torafrömmigkeit im jüdischen Volk, doch es bleibt die neutestamentliche Aussage, dass Jesus und sein Evangelium Ziel und Erfüllung des jüdischen Glaubens ist, was ganz Israel spätestens bei seiner Wiederkunft erkennen wird.

Alfred Burchartz, Nürtingen
 

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Kirchenwahl 2001 - Kandidaten aus den Reihen der Evangelischen Sammlug

Hartmut Ellinger, Jahrgang 1942, geboren und aufgewachsen in Bopfingen am Ipf, lebt mit seiner Familie (Frau und zwei erwachsene Kinder) seit 1990 in Kirchheim unter Teck. Er ist dort Dekan und 1. Pfarrer der Martinskirchengemeinde. Frühere Stationen waren zehn Jahre lang das Landesjugendpfarramt, Gemeindepfarramt auf den Fildern (Leinfelden-Unteraichen) und das Stipendienreferat beim Lutherischen Weltdienst.
Das Theologiestudium in Tübingen (Evang. Stift) wurde ergänzt durch einen zweijährigen Studienaufenthalt in den USA, der mit anschließenden weiteren ökumenischen Kontakten den Blick für die weltweite Christenheit weitete. Seit vielen Jahren zunächst ehrenamtlicher Geschäftsführer, dann Vorsitzender des Diasporawerks »Martin-Luther-Bund in Württemberg«, dadurch mit Fragen und Problemen von Christen in einer Diasporasituation vertraut. Hartmut Ellinger ist noch an weiteren Stellen ehrenamtlich tätig, z.B. als Vorsitzender des Verwaltungsrats der Paulinenpflege in Kirchheim, einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung mit Schule für Erziehungshilfe, als Vorsitzender des Kuratoriums des Pfarrseminars der Landeskirche, als Vorsitzender des Landesarbeitskreises Freizeit und Tourismus beim Evang. Gemeindedienst und als Vorsitzender des Stipendienkomitees des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes.

Er war und ist Mitglied der 11. und 12. Landessynode, und ist zur Zeit Vorsitzender des Ausschusses für Mission und Ökumene. Wichtige geistliche Impulse verdankt Hartmut Ellinger der Evangelischen Jugendarbeit, in der er seit seiner Konfirmation mitarbeitete und den Begegnungen mit Christen aus anderen Kulturen und Traditionen, denen er im Rahmen seiner ökumenischen Arbeit begegnete.Wichtig ist ihm, dass das Gespräch zwischen den Generationen und den unterschiedlichen theologischen Strömungen in unserer Kirche nicht abreißt, ebenso aber auch, dass die Kirche – möglichst von der Ebene der Ortsgemeinde aus – die Unverzichtbarkeit von Mission und Evangelisation als wichtiger Lebensäußerung der Gemeinde erkennt und daran festhält. Darum bemüht er sich, dass das Angebot des Evangeliums an die Menschen auch über die Kirchenmauern hinaus hörbar bleibt. Die Erfahrungen von Christen in anderen gesellschaftlichen Situationen sieht er als einen Reichtum an, den es noch mehr unter uns zu nützen gilt.
Er wünscht sich, dass die Gemeinde Jesu Christi von der klaren Mitte des Evangeliums her in ihrem missionarischen und diakonischen Handeln weite Kreise ziehen kann.
 
 

Dr. Christel Hausding

Langenau-Göttingen
Tel. 07345-22990
Fax 07345-6290
e-mail: Hausding@t-online.de

Pädagogin, Hausfrau, 51 Jahre, verheiratet. Nach einem Jahr im Schuldienst weiteres Studium der Fächer Pädagogik, Psychologie und Geographie; Promotion zum Doktor der Erziehungswissenschaften. Danach dreijährige Tätigkeit an der Hochschule im Bereich der Lehrerausbildung. Seit ich 1974 in einer Kölner Gemeinde zum Glauben fand, habe ich immer in der Gemeinde mitgearbeitet – in Gesprächskreisen, im Besuchsdienst, bei Freizeiten und als Lektorin. Durch Versetzung meines Mannes, der als Arzt am Bundeswehrkrankenhaus arbeitet, kamen wir nach Ulm. Seitdem bin ich nicht mehr berufstätig, aber ‘aus Berufung tätig’. Ich möchte meine Zeit und Kraft zum Bau der Gemeinde Jesu einsetzen.

1983 wurde ich zum ersten Mal in die Landessynode gewählt. Zwölf Jahre lang war ich Mitglied im Ausschuss ‘Jugend und Bildung’, danach im Ausschuss ‘Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit’, in dem ich einige Jahre den Vorsitz hatte. Seit etlichen Jahren leite ich mit anderen zusammen den Gesprächskreis LEBENDIGE GEMEINDE und bin dessen Sprecherin. Ich bin derzeit im Ältestenrat, der die Arbeit der Synode plant, und bin eins von den acht württembergischen Mitgliedern der EKD-Synode.

Neben meiner Mitarbeit in kirchlichen Gremien, im Vorstand der Evang. Sammlung in Württemberg, der Ludwig-Hofacker-Vereinigung und im Forum missionarischer Frauen, sind mir vor allem die Arbeit an der Basis und die Begegnung mit Menschen wichtig. Mit Vorträgen in Gemeinden, bei Offenen Abenden, Tagungen und Frühstückstreffen für Frauen möchte ich Menschen zum Glauben an Jesus Christus ermutigen und mit ihnen Alltags- und Zeitfragen vor dem Hintergrund des christlichen Glaubens bedenken.

Ich setze mich ein
–  für eine Kirche, die auf Menschen zugeht und sie zum Glauben einlädt. Nur so kann sie Volkskirche bleiben, denn die meisten wachsen heute nicht mehr selbstverständlich in die Kirche hinein.
–  für eine Kirche, die in der Arbeit vor Ort ihren Schwerpunkt setzt. In der Gemeinde kann in gegenseitigem Geben und Nehmen Gemeinschaft erlebt werden.
– für eine Belebung des Gottesdienstes durch neue Formen, neue Lieder und die Beteiligung von vielen.
– für eine Kirche, die den Menschen unserer Zeit Orientierung aus Gottes Wort gibt. Sie ist dem einzelnen, aber ebenso der Politik, der Wissenschaft und Wirtschaft Wegweisung in ethischen Fragen schuldig.
– für eine Kirche, die Mut macht und Hilfen gibt, den Glauben im Alltag zu leben und in Familie, am Arbeitsplatz und im gesellschaftlichen Engagement aus der Verantwortung vor Gott zu handeln.

Als Studentin bin ich in einer evangelischen Gemeinde Gott so begegnet, dass ich davon überzeugt bin: Er ist nicht nur ein ferner Gott überm Sternenzelt, sondern er ist da und ist uns ganz nah. Gott handelt in dieser Welt, er liebt mich und hat Interesse an mir. Das hat er überwältigend dadurch bewiesen, dass Jesus Christus in die Welt gekommen und auch für meine Schuld gestorben ist. Er hat mich mit Gott versöhnt. Damit hat er die Trennung und Fremdheit aufgehoben. Seitdem lebe ich mit dem Bewusstsein: Ich bin in seiner Liebe geborgen und zwar für immer.

Ich finde meine Identität in der Gemeinschaft mit Gott. Er gibt meinem Leben einen Sinn und ein Ziel. Ich lebe nicht nur für mich, sondern sehe mein Leben in einem größeren Rahmen, dass Gott mich gewollt und mit mir etwas vorhat. Das gibt mir ein positives Selbstwertgefühl. Er hat mir Fähigkeiten gegeben und führt mich in Aufgaben hinein. Diese Sicht macht mir Mut, Neuland zu betreten und auch Aufgaben anzupacken, die mir selber eher zu groß erscheinen. Aber Gott gibt zum Auftrag auch die Ausrüstung. Auf dem Weg der Nachfolge trägt er die letzte Verantwortung.

Im Leben mit Jesus Christus empfinde ich eine große Entlastung. Die eigenen Fehler der Vergangenheit, widrige Umstände und negative Einflüsse, und auch die Verletzungen durch andere legen mich nicht endgültig fest. Vergebung ist möglich und damit ein Neuanfang. Das heißt, ich brauche anderen nichts endlos »nachzutragen«. Und: Jesus kann in mir alte Wunden heilen. Ich muss nicht so bleiben, wie ich bin.

Wer handelt, macht auch Fehler. Aber es ist meine Hoffnung, dass Er einmal die Bruchstücke meines Lebens zu einem guten Ganzen vollenden wird. Das befreit zum Handeln. Ich kann Verantwortung übernehmen, ohne perfekt sein zu müssen. So finde ich es auch erträglich, einerseits meine Verantwortung als Glied dieser Kirche und auch in dieser Gesellschaft zu sehen, andererseits aber auch mit den begrenzten Möglichkeiten zu leben. Ich brauche vor der Größe der Aufgaben nicht zu kapitulieren. Ich bin sicher: Gott würdigt auch den Tropfen auf den heißen Stein.

Mit Jesus Christus zu leben, eröffnet gewissermaßen den Blick durch den Horizont. Ich übe mich darin, jederzeit mit Ihm zu rechnen, in Begegnungen und Entscheidungen, vor allem aber in Schwierigkeiten und unter Belastungen. Er ist da, alle Tage, jederzeit, es geht darum, dass ich innerlich offen und hörbereit bin. Ich muss mich in der Unübersichtlichkeit des heutigen Lebens, bei den vielen zu treffenden Entscheidungen nicht allein durchschlagen, sondern rechne mit seiner Leitung und Bewahrung.

Durch die Beziehung zu Gott bin ich auch in die große Gemeinschaft der Christen hineingestellt. Ich erlebe diese Gemeinschaft in Gottesdienst und Abendmahl, in besonderer Weise durch gegenseitige Anteilnahme und Fürbitte. Diese Beziehungen sind mir sehr wertvoll; sie sind tragfähig. In mir ist eine Dankbarkeit gewachsen für alles Gute, was ich erlebe und empfange.
 
 

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Thesen zur Homosexualität

I. Hinweise zu den Thesen

Die zehn Thesen sind bewusst im Rahmen der »bloßen Vernunft« gehalten, da sie als Beitrag zu einer öffentlichen Diskussion gedacht sind, in welcher spezifisch christliche Glaubensüberzeugungen nicht mehr als Argument gelten gelassen werden. Dennoch beruhen sie auf Motiven biblisch-christlicher Ethik. Es bewahrheitet sich wieder einmal das Diktum von Karl Barth, dass es keinen intimeren Freund des gesunden Menschenverstandes gibt als den Heiligen Geist. Zur Vertiefung der innerkirchlichen Diskussion werden im Anschluss an die Thesen Zitate von Luther und Bonhoeffer angeführt.
 

II. Die Thesen

Zu den genannten Gesetzesvorhaben ist folgendes festzustellen:

1. Ein wesentlicher Pfeiler der Grundordnung unseres Staates beruht auf Ehe und Familie – und zwar in dieser Zusammengehörigkeit (Art. 6 GG). Auch Unverheiratete sind darin eingeschlossen, denn jeder Mensch ist Kind einer Frau und eines Mannes. Der Generationenvertrag (u.a. Rentenversicherung) beruht ebenfalls auf der Grundlage von Ehe und Familie.

2. Mit der Anwendung des Begriffs »Lebensform« auf Ehe und Familie wird ein soziologischer Begriff falsch benutzt. Ehe und Familie, die durchaus historisch unterschiedlich gestaltet sein können, sind eine Daseinsgrundlage für alle Menschen, keineswegs bloß eine »Lebensform« neben anderen. Als Ehe und Familie werden – quer durch alle Kulturen und Religionen durch die gesamte Menschheitsgeschichte – nur Verbindungen zwischen Mann und Frau bezeichnet, die auf die Geburt von Kindern hin offen sind. Diese humane Wirklichkeit umzudefinieren, indem Verbindungen zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen als »Ehe« (oder eheähnlich mit entsprechenden Rechten) und Gruppen, in denen Kinder aufwachsen, generell als »Familie« bezeichnet werden, bedeutet Zerstörung jeder Kultur und jedes humanen Konsenses.

3. Homosexuelle Verbindungen (standes-)amtlich wie Ehen zu registrieren, ist schon deshalb absurd, weil den Staat – außer im Bereich von Ehe und Familie als Grundlage des Gemeinwesens – sexuelle Beziehungen, die Bürger miteinander aufnehmen, nichts angehen. Wenn der Staat aber Treue, gegenseitige soziale Verpflichtungen und Verlässlichkeit unterstützen will, darf er dazu das Eingehen sexueller Beziehungen nicht zur Voraussetzung machen. Tut er es dennoch, verletzt er das Gleichbehandlungsgebot nach Artikel 3 GG, falls er nicht alle anderen Gemeinschaften, die auf Treue und Verlässlichkeit ausgerichtet sind (und das meist in viel höherem Maße als homotrope Sexualbeziehungen), beispielsweise Lebensgemeinschaften unter Geschwistern oder Orden in gleicher Weise fördert und mit Privilegien ausstattet.

4. Das Argument, niemand würde durch die eingetragene »Lebenspartnerschaft« Homosexueller benachteiligt, trifft nicht zu. Durch die angestrebten Änderungen von über 110 Bundesgesetzen kommen zum Teil hohe Kosten auf den Staat zu (z.B. durch Änderungen des Staatsangehörigkeitsgesetzes, des Personenstandsgesetzes, des Beamten- und Besoldungsrechtes usw.). Diese Folgekosten werden sich Jahr für Jahr steigernd erheblich summieren. Und weil der Staat keine Kuh ist, die im Himmel gefüttert und auf Erden gemolken wird, werden diese Kosten als Mehrbelastung durch Menschen aus Ehe und Familie aufgebracht; wobei das Bundesverfassungsgericht schon derzeit die dem Grundgesetz widersprechende finanzielle Benachteiligung von Ehe und Familie in unserem Staat bemängelt hat.

5. Das weitere Argument der »Schwulen-Bewegung«, dass alle Menschen heiraten dürften und könnten (wenn sie wollten) außer den homosexuell Veranlagten und dass der Staat deshalb den Homosexuellen die Ehe ermöglichen müsste, sticht nicht. Zunächst ist zu fragen, was hier mit »heiraten« gemeint ist und wieso der Staat eingeschaltet werden soll, wenn jemand eine schöne Feier begehen will, was ja niemandem verwehrt ist.

6. Wenn aber trotzdem »Homo-Ehe«, dann gilt: Es ist ein völlig falsches Verständnis bezüglich Staat und Gesellschaft, von öffentlichen Institutionen die Einlösung individueller Glücksvorstellungen zu erwarten. Es wird staatlich-rechtliche »Eheschließung« gefordert. Soll also doch das angeblich veraltete und überholte bürgerliche Eheideal als Vorbild gelten? Mal so, mal so? Das ist unlogisch!

7. Außerdem wird vorausgesetzt, dass Homosexualität eine unveränderliche Festlegung für einen Menschen darstellt, was keineswegs erwiesen ist. Bis heute wird von namhaften Psychiatern und Psychoanalytikern immer wieder betont, dass Homosexualität ein Lösungsversuch für innere Konflikte ist. Die Diagnose Homosexualität wurde aus politischen Gründen von der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung 1974 aus dem Diagnoseregister der psychischen Krankheiten gestrichen. Die menschliche Sexualität ist plastisch. Insbesondere in der Pubertät gibt es eine Übergangsphase mit homosexuellen Phantasien. Homosexualität ist revidierbar, wie durch zahlreiche Beispiele aus Psychotherapie und Seelsorge belegt ist. Allerdings zeigt die psychotherapeutische Praxis auch, dass insbesondere bei Männern, die Homosexualität bereits kontinuierlich praktizieren, eine Revision durch Therapie nur selten erreichbar ist. Darum wirkt sich die Absicht, homosexuellen Verbindungen die Erziehung von Kindern anzuvertrauen, um so zerstörender für kommende Generationen aus.

8. Das Argument der Schwulenverbände, es müssten Benachteiligungen der homosexuellen Mitbürger beseitigt werden, trifft nicht zu. Auch ohne »Lebenspartnerschaftsgesetz« war es schon bisher möglich, das Erbe per testamentarischer Verfügung einem gleichgeschlechtlichen Partner zuzueignen; als Einzelperson formalrechtlich ein Kind zu adoptieren; einen Vermieter zu zwingen, den gleichgeschlechtlichen Mitmieter zu akzeptieren; ein gemeinsames Vermögen zu haben und dies vertraglich zu fixieren; Rechtsgeschäfte per Vollmacht an einen Partner zu delegieren. Letzteres gilt zum Beispiel auch für die oft angeführte Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht. Eine besondere Benachteiligung Homosexueller ist nicht zu erkennen. Es geht also nicht um Beseitigung von Nachteilen, sondern um den Versuch der Vorteilsnahme (gemäß obigem Punkt 4) auf Kosten der Allgemeinheit.

9. Schließlich: Selbst wenn die homosexuelle Orientierung unveränderlich wäre, muss die Tatsache berücksichtigt werden, dass das Grundgesetz den besonderen Schutz für Ehe und Familie nicht als einseitiges Privileg vergibt, sondern eine Gegenseitigkeit (Mutualität) würdigt. Weil Ehe und Familie die soziale Grundlage von Staat und Gesellschaft bilden, darum werden sie vom Staat geschützt. Diesen Nutzen für Staat und Gesellschaft können homosexuelle Verbindungen naturgemäß nicht leisten.

10. Ergänzend sei noch darauf aufmerksam gemacht, dass lebenslängliche Treue nach eigener Aussage der »Schwulen-Bewegung« nicht der Absicht und der Lebensart homosexueller Verbindungen entspricht. Somit gilt insgesamt: Es ist abwegig, Homosexualität als humanes Fixum anzusehen, das staatlicher Gestaltung, Förderung oder gar staatlicher Privilegierung bedürfte. D