Handreichung - "Daran Glauben wir!"

Entsprechend der Bitte unseres Landesbischofs Dr. Gerhard Maier hat der Theologische Ausschuss der Landessynode in die Frühjahrstagung der Synode einen Entwurf zu einer Handreichung „Daran glauben wir“ eingebracht. Er ist auf der Internetseite der Landeskirche veröffentlicht. Der Vorsitzende des Theologischen Ausschusses, Dekan Ulrich Mack, hat in seiner Einbringungsrede deutlich gemacht, dass damit ein synodaler Prozess eröffnet werden soll, der mit einer Beschlussfassung in der Herbstsynode zum Ziel kommen soll. Bis September sammelt der Oberkirchenrat dazu Meinungen, Vorschläge, Korrekturen und Ergänzungen.

Der Landesvorstand der Evangelischen Sammlung hat beschlossen, sich an diesem Prozess zu beteiligen. Er hat Renate Klingler, Elke Maihöfer und Werner Schmückle beauftragt, einen veränderten Entwurf zu erarbeiten. Dieser Entwurf wurde in der Landesvorstandssitzung am 12. Mai ein erstes Mal beraten. Wir legen Ihnen, den Lesern des Rundbriefs, unseren Vorschlag in seiner augenblicklichen Fassung vor und bitten Sie um Rückmeldung und Stellungnahme.

Das Ziel unseres Vorschlags ist, Menschen, die wenig Ahnung von unserem Glauben haben, eine Handreichung zu bieten, die ihnen in elementarer Sprache erklärt, was die entscheidenden Inhalte des evangelischen Glaubens sind.

Die Evangelische Sammlung hat folgenden Entwurf erarbeitet und dem Oberkirchenrat zugestellt:

 

Handreichung „Daran glauben wir“

 

         Vorschlag der Evangelischen Sammlung in Württemberg

Nach Rückmeldungen von Elke Maihöfer und Werner Schmückle bearbeitete Fassung vom

8. September 2004

Was trägt?

Die Grundlage unseres Glaubens ist das Evangelium von Jesus Christus

Die Quelle unseres Glaubens ist die Bibel.

In ihr hören wir Gottes Stimme.
Sie erzählt Gottes Geschichte mit der Welt und mit uns Menschen:
Gott hat die Welt und die Menschen geschaffen.
Er hat eine besondere Geschichte mit seinem Volk Israel.
Er hat seinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt zu unserer Erlösung.
Er geht einen Weg mit seiner Kirche bis ans Ende der Zeit, bis Himmel und Erde durch ihn neu geschaffen werden.

1. Gott, der Vater - Schöpfer allen Lebens

Wir glauben, dass Gott die Welt, den Raum und die Zeit geschaffen hat.
Er bewahrt und erhält bis heute seine Schöpfung.
Auch wir Menschen sind Gottes Geschöpfe.
Kein Mensch ist ein Produkt des Zufalls, jeder und jede ist von Gott gewollt, geliebt und als Original geschaffen.

Gott nennt den Menschen sein Ebenbild.
Er hat ihn zu seinem Gesprächspartner gemacht und ihm damit eine besondere Würde verliehen.

Wir können Gottes Wort hören und ihm antworten im Gebet und mit unserem Leben.

Gott hat uns Menschen als Mann und Frau füreinander geschaffen, als gegenseitige Ergänzung und Bereicherung. In der kirchlichen Trauung wird das gemeinsame Leben von Mann und Frau in der Ehe von Gott gesegnet.

Kinder sind ein Geschenk Gottes. Mit ihnen beteiligt Gott die Eltern  an seinem Schöpfungshandeln und gibt ihnen Verantwortung für die Zukunft.

Gott hat seine Schöpfung am Anfang sehr gut gemacht. Aber wir erleben in dieser Welt Leid, Angst, Gewalt und Krieg.

Viele Menschen fragen:
Warum lässt Gott das zu?
Auch für Christen ist das eine bedrängende Frage.

Wir haben darauf keine einfache Antwort.
Wir fragen auch:
Warum tun Menschen einander so viel Böses an?
Warum leben Menschen nicht so, wie Gott es will, wie er es uns geboten hat ?

Die Antwort der Bibel lautet:
Die Menschen haben sich von Gott getrennt und gehen ihre eigenen Wege. Das nennt die Bibel Sünde.  
 

2. Gott, der Sohn – Jesus Christus, unser Erlöser

Gott leidet am Leid der Menschen und an ihrer Entfremdung von seiner Liebe. In Jesus Christus wird Gott Mensch und kommt uns Menschen ganz nahe. Als Kind der Maria kommt er in Bethlehem zur Welt. Das feiern wir an Weihnachten.

Jesus lebte Gottes Liebe zu den Menschen:
Seine Worte und Taten sind Zeichen der liebenden Zuwendung Gottes zu allen:

Er segnet die Kinder, er wendet sich Armen, Ausgestoßenen und Verachteten zu, er vergibt Schuld, er macht Kranke gesund und Tote wieder lebendig.

In allem zeigt er, dass es so in Gottes Reich sein soll und sein wird.

Jesus verkündigt Gottes Willen und lädt Menschen ein, ihm zu vertrauen und ihm zu folgen.

Er löste Begeisterung aus, hat aber auch Ärger und Anstoß erregt.

Unter dem römischen Statthalter Pontius Pilatus wurde Jesus zum Tode verurteilt, gefoltert und gekreuzigt. Er starb als Unschuldiger.

Unsere Schuld hat er auf sich genommen. Er starb an unserer Stelle. Er hat sein Leben für uns hingegeben, um uns mit Gott zu versöhnen.
Daran denken wir an Karfreitag.

Jesus wurde begraben. Aber nach drei Tagen hat ihn Gott vom Tod auferweckt. Das feiern wir an Ostern.
Er lebt für immer in Gottes Herrlichkeit und ist uns doch ganz nahe.
Er ist uns vorangegangen zum ewigen Leben.

 
3. Gott
, der Heilige Geist - Gottes Gegenwart heute 

An Pfingsten feiern wir, dass Gott uns Menschen seinen Heiligen Geist schenkt.

Der Heilige Geist bewirkt, dass Menschen glauben, dass sie ihr Leben im Vertrauen auf Jesus Christus gestalten.
Der Heilige Geist verbindet uns mit Christus und untereinander.
Er lehrt uns beten.
Er gibt uns die Gewissheit, dass wir Gottes Kinder sind.
Er schenkt die Gaben, die seine Gemeinde zur Erfüllung ihrer Aufgaben braucht.

Im Heiligen Geist ist Gott, der Vater und der Sohn gegenwärtig und nahe.
 

4. Die Kirche - Gemeinschaft der Glaubenden

 Die Kirche ist die Gemeinschaft derer, die an Jesus Christus glauben, weltweit und zu allen Zeiten.

Um die Gemeinschaft mit Christus und untereinander zu erleben, feiern wir Gottesdienst und treffen uns in Gruppen Gott redet mit uns. Wir hören das Evangelium und antworten Gott mit unserem Singen und Beten.

Das „Vaterunser“ ist das Gebet, das Jesus selbst uns gegeben hat.
In diesem Gebet hat er alles Wichtige kurz zusammengefasst.
Mit diesem Gebet wenden wir uns vertrauensvoll als Kinder an unseren Vater im Himmel.

Wir freuen uns an der Vielfalt, wir leiden an der Zersplitterung der Kirche.
Trotzdem glauben wir an die Einheit der Kirche in Jesus Christus.
 

5. Taufe und Abendmahl - Wort-Zeichen des Glaubens 

Taufe und Abendmahl sind Sakramente, sichtbare und spürbare Zeichen der Liebe unseres Gottes.

In der Taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes spricht Gott sein Ja zum Täufling und erklärt ihm seine Liebe. Der Getaufte wird in die Kirche aufgenommen.
Im Glauben antwortet der Getaufte auf das Ja Gottes.
Wer getauft wird und glaubt, ist Gottes Kind und wird mit dem ewigen Leben beschenkt.

Bei der Kindertaufe versprechen Eltern und Paten im Vertrauen auf Gottes Hilfe, dass sie ihr Kind im Geist Jesu Christi erziehen und auf dem Weg zu eigenem Glauben begleiten wollen.

Auch die Gemeinde übernimmt Verantwortung für die Getauften. Deshalb gibt es christliche Kinder- und Jugendarbeit, Kindergärten und den Religionsunterricht.

Im Konfirmandenjahr lernen Jugendliche den christlichen Glauben kennen.
Bei ihrer Konfirmation bekennen sie ihren Glauben und werden persönlich gesegnet.

 

Zum Heiligen Abendmahl lädt uns Jesus selber ein.
Wir empfangen
Brot und Wein.
In diesen Gaben des Abendmahls ist Jesus selber bei uns.

Er schenkt uns seinen Leib und sein Blut und sagt uns damit zu, dass er auch für uns gestorben ist.

Wir bekommen Anteil an der Kraft seines Todes und seiner Auferstehung und feiern die Gemeinschaft mit Christus.

Er schenkt uns Vergebung der Sünden, Frieden mit Gott und Gemeinschaft untereinander.
 

6. Die Gebote - mit Gott leben

Gott hat uns Menschen Verantwortung für seine Schöpfung übertragen.

Zum Schutz allen Lebens hat er die zehn Gebote gegeben.
Sie zeigen uns, wie ein Leben mit Gott aussieht:
Sie schützen den Namen Gottes und das Recht der Schwachen.
Sie schützen das gemeinsame Leben von Mann und Frau und das Miteinander der Generationen.
Sie schützen das Leben, die Würde und den Besitz des Anderen.

Jesus hat die zehn Gebote zusammengefasst in dem Gebot der von Herzen kommenden Liebe zu Gott und zu unseren Mitmenschen.

Wir glauben, dass Gott, der Schöpfer, jeden Menschen als seinen Mitarbeiter beauftragt hat, seine Schöpfung zu bewahren.

Unser Glaube an den Schöpfer schließt die Hoffnung ein, dass er die Erhaltung der Erde nicht allein uns Menschen überlässt, dass er für diese Welt Sorge trägt und sie erneuern wird.
 

7. Der neue Himmel und die neue Erde -Gott wird die ganze Welt vollenden  

Wir leben in einer Welt, die von Leiden, Schuld, Gewalt und Tod gezeichnet ist.

Aber wir glauben, dass Gott diese Welt am Ende von allem Leid, von Angst und Tränen befreien wird.

Mit der Auferstehung Jesu hat Gott uns gezeigt, dass der Tod nicht das letzte Wort über uns Menschen hat.

Ostern ist der Ausblick auf das neue Leben jenseits des Todes.
Wir glauben an das ewige Leben.
Wenn Jesus wiederkommt, wird Gott alle Toten auferwecken.
Dann wird unser Leben noch einmal zur Sprache kommen vor ihm.
Dann werden alle Menschen zur Verantwortung gezogen.
Dann wird Gott Recht von Unrecht unterscheiden.

Wir glauben, dass in diesem letzten Gericht Jesus für uns spricht und wir durch ihn gerettet werden.

Heute schon legen wir die Verstorbenen bei der Bestattung in Gottes Hand. Wir bitten, dass er ihnen gnädig ist und ihnen für immer Geborgenheit in seiner Liebe schenkt.

Wir vertrauen darauf, dass uns nichts aus Gottes Vaterhänden reißen kann. Das ist die Hoffnung, die unseren Glauben trägt.

 

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